Das Phänomen hassmotivierter Straftaten

Einen Überblick über das Thema Hasskriminalität aus kriminologischer Sicht bietet eine Publikation aus 2006 veröffentlicht vom Deutschen Forum für Kriminalprävention.

Im deutschsprachigen Kontext wird von Hasskriminalität oder von hassmotivierter Kriminalität gesprochen. Auch der englische Begriff ‚hate crime’ ist geläufig. Hasskriminalität kommuniziert nur bedingt die Motivation der Straftat (in diesem Fall Hass oder Abneigung gegen bestimmte Gruppen) wohingegen die hassmotivierte Kriminalität deutlich auf die beiden in der Definition dargestellten Elemente dieses Phänomens hinweist.

In Deutschland lässt sich die Zahl von hassmotivierten Straftaten nicht beziffern. Durch die bundesdeutsche Gesetzgebung wird rassistische Hasskriminalität in den Kontext der „politisch motivierten Kriminalität“ gestellt und nur unter diesem Titel statistisch erfasst. Andere hassmotivierte Straftaten werden in der Kriminalstatistik nur in den gängigen Kategorien der Straftaten aufgelistet. Ihre Motivation wird statistisch nicht berücksichtigt.

Verbrechen aus Hass sind keine klar eingrenzbaren Delikte. Es kann sich um Einschüchterungen, Drohungen, Sachbeschädigung, tätliche Angriffe, Mord oder um andere Straftaten handeln.

Bei einem Verbrechen aus Hass beabsichtigt der Täter/die Täterin mitunter dem Opfer nicht nur als Individuum, sondern als Mitglied einer aus Tätersicht minderwertigen und verhassten Gruppe einen Schaden zuzufügen. Eine solche Tat ist nicht individuell sondern weist einen gesamtgesellschaftlichen Bezug auf und bringt eine Verantwortung in der Strafverfolgung mit sich.

Eine Studie der Grundrechteagentur der EU zeigt, dass in der Europäischen Union viele hassmotivierte Straftaten weder angezeigt noch verfolgt werden und somit unsichtbar bleiben. Der Grund hierfür scheint, die geringe Bereitschaft der Opfer oder Zeugen, hassmotivierte Delikte bei der Polizei zu melden und diese verfolgen zu lassen.

Hassmotivierte Straftaten zielen auf ein Identitätsmerkmal ab, das in der Regel nicht frei wählbar ist. Körperlich eingeschränkte Menschen haben sich – um hier ein Beispiel zu nennen - ihre Behinderung nicht ausgesucht. Opfer solcher Straftaten erleben den Angriff als traumatisch. Auswirkungen können ihre Lebensführung nachhaltig negativ beeinflussen.

Gleichermaßen kommt dieser Art von Verbrechen eine symbolische Bedeutung zu. Durch hassmotivierte Gewalt wird die Botschaft vermittelt, dass das Verbrechen auch jede andere Person aus der Gruppe hätte treffen können.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011