Problemlagen erkennen und Maßnahmen zielgerichtet ergreifen

„Bisher ist die mangelhafte Datenlage eine der großen Herausforderungen in der Antidiskriminierungsarbeit.“

- Rede von Christine Lüders 2011, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Soziologische Daten vermögen auf verschiedenen Ebenen den aktuellen gesellschaftlichen ‚Ist-Zustand‘ darzustellen. Dieser kann Fragen beantworten, ob z.B. Menschen mit Migrationshintergrund eine Arbeitsstelle entsprechend ihrer Qualifikation und Berufserfahrung innehaben oder ob die Aufnahme eines Studiums von in Deutschland aufgewachsenen Einwandererkindern stagniert oder steigt. Solche Daten verdeutlichen in welchen Bereichen gezielte Interventionen nötig sein könnten. Zu einem späteren Zeitpunkt, nach wiederholter Datenerhebung, kann dann nachgehalten werden, ob diese Interventionen eine ausreichende Wirkung erzielten. Dies ist für den Gesetzgeber wie auch für andere relevante Institutionen ein Weg, eine gesellschaftspolitische Steuerung vorzunehmen.

Die Erhebung von Gleichheitsdaten im betrieblichen Kontext erlaubt dem_der Arbeitgeber_in die Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft und ihre Bedarfe zu erkennen und somit qualifizierte Mitarbeiter_innen im Betrieb zu halten. Beispielsweise kann eine Befragung der Bedarfe nach koscherem, halal, vegetarischem oder veganem Essen die Auskunft geben, wie das Essensangebot einer Firmenkantine angepasst werden könnte. 

Nichtregierungsorganisationen (NGO) haben gleichermaßen ein Interesse soziologische Daten in ihrer Arbeit einzusetzen. Diese können Argumente für oder gegen eine Maßnahme untermauern und auf die Notwendigkeit politischer Intervention hindeuten. Zeigt sich beispielsweise, dass junge Männer mit dunkler Hautfarbe nachweislich häufiger von der Polizei anlasslos kontrolliert werden, ohne dass eine Straftat vorliegt, würde dies einen deutlichen Hinweis darstellen, die Polizeipraxis zu verändern. Die von NGOs durchgeführte Sensibilisierung der Öffentlichkeit lebt von Fakten und Informationen, die durch vorliegendes Datenmaterial gespeist wird.

Die Wissenschaft, als zentrale Akteurin in der Datenerhebung, ist treibende Kraft dabei, spezifisches Forschungsinteresse umzusetzen. In ihrer Rolle als Politikberaterin kann sie Problemlagen erkennen und angemessene Maßnahmen vorschlagen. Gleichermaßen können mit ihrer Hilfe die Wirkungen von Maßnahmen ermittelt werden.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011