Bisherige Erhebungen und Kategorien

Institutionen wie Statistische Ämter, Öffentliche Verwaltung und Polizei erheben aus unterschiedlichen Gründen sensible Daten. Auch in wissenschaftlichen Untersuchungen, in der Privatwirtschaft und im Beschäftigungsbereich werden Daten erhoben. Zumeist dienen sie dazu, Statistiken aufzustellen, teilweise um bestehende Ungleichbehandlungen aufzuzeigen.

Trotz der Sensibilität der Daten bezüglich der ethnischen Zugehörigkeit, werden vielfältige Daten gesammelt, die über einen tatsächlichen Migrationshintergrund nicht Aufschluss geben können.

An vielen Stellen werden Informationen zur Nationalität, dem Geburtsort und der Migrationsgeschichte der Eltern und Großeltern erhoben. Im Folgenden finden Sie Informationen, wo und durch wen relevante Daten erhoben werden.

Statistische Ämter

Die statistischen Landesämter und das Statistische Bundesamt stellen die zentralen Akteure in der Datenerhebung dar. Sie sind dafür verantwortlich den Mikrozensus durchzuführen und in der Folge als Datensätze zugänglich zu machen. Wissenschaftler_innen können dort Datensätze für wissenschaftliche Studien abfragen.

Öffentliche Verwaltung

Öffentliche Verwaltungen verfügen über Daten, welche Rückschlüsse auf die ethnische Herkunft von Personen zulassen. Im Melderegister und Ausländerzentralregister werden Angaben zu Herkunft und Staatsangehörigkeit erfasst. Auch Sicherheitsbehörden, Schulbehörden und Sozialversicherungsträger (u.a. Rentenversicherung) speichern solche Angaben.

Polizei

Durch die Polizei werden Daten erfasst, aus denen sich die Polizeiliche Kriminalstatistik zusammensetzt. Ein Kriterium der Datenerhebung unterscheidet die Tatverdächtigen in 'Ausländer' und Deutsche. Die undifferenzierte Betrachtung mancher von Menschen mit Migrationshintergrund als nicht-Staatsbürger_innen und damit vermeintlich Kriminelle, führt daher zu falschen Rückschlüssen, basierend auf Daten der Kriminalstatistik und verleitet ebenjene zu pauschalisierenden Aussagen über ‚Ausländerkriminalität‘.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Über die Erhebung der Kategorie ‚Migrationshintergrund‘ werden andere Kategorien, die hierzu in Relation stehen, bei wissenschaftlichen Untersuchungen abgefragt. Dies sind z.B. die Nationalität, Muttersprache oder der Geburtsort. Diese Informationen stellen ihrerseits keinen sensiblen Datensatz dar, indizieren aber indirekt eine mögliche ethnische Herkunft. Eine solche Ersatzkategorie bezeichnet man als ‚Proxi‘. Diese Studien haben zumeist zum Ziel, Sachverhalte und Problemlage zu analysieren und zu verdeutlichen.

Privatwirtschaft

Auch die Privatwirtschaft, inklusive Versicherungen und Banken, erfasst Daten – teilweise durch Marktforschung. Wirtschaftsunternehmen verfügen hierdurch zumeist indirekt über Informationen zur ethnischen Komposition der Bevölkerung.

Beschäftigungsbereich

Die Arbeitsagentur ist verantwortlich für die Erstellung der Beschäftigungs- und Arbeitslosenstatistik. Hier fließen Informationen bezüglich der Nationalität und somit indirekt der ethnischen Zugehörigkeit mit ein. Firmen, die sich Diversity-Management-Programme auf die Fahnen schreiben, führen in der Regel ein Erfassungssystem ein, um nachhalten zu können in wieweit ihre Diversity-Ziele umgesetzt wurden.

Durch die Vielfältigkeit der Akteur_innen besteht in der Praxis die Gefahr der unzulänglichen Umsetzung der Datenschutzbestimmungen, die in diesem Dossier sowohl bei der geltenden Gesetzeslage als auch bei den Grundsätzen zur Datenerhebung weiter diskutiert werden.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011