Diskriminierung beim Zugang zu Beschäftigung

Laut einer Forschung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von 2013 (siehe hier, S. 130) sind Menschen mit Behinderung, Schwerbehinderung oder chronischen Krankheiten häufiger und länger von Arbeitslosigkeit betroffen (25,9 Monate) als gesunde Menschen (15,3 Monate).

Schon bei der Bewerbung können chronisch kranke Menschen von Benachteiligungen betroffen sein. So wird der_die Arbeitgeber_in, der_die dem Stigma zustimmt, dass adipöse Menschen faul und undiszipliniert sind, eine_n adipöse_n Bewerber_in voraussichtlich eher nicht einstellen.

Eine Diskriminierung aufgrund einer chronischen Krankheit ist möglich, wenn der_die Arbeitgeber_in weiß, dass der_die Bewerber_in chronisch krank ist. Menschen mit chronischen Krankheiten sind mit dem Vorurteil konfrontiert, nicht so leistungs- oder einsatzfähig wie gesunde Arbeitnehmer_innen zu sein, obwohl bei vielen chronischen Erkrankungen auch dank moderner Behandlungsmethoden oft keine Einschränkungen vorliegen. Arbeitgeber_innen befürchten dennoch Defizite und vermuten zusätzliche Kosten.

Grundsätzlich sind chronisch kranke Menschen im Bewerbungsverfahren vor Diskriminierung geschützt. Der_die Arbeitgeber_in darf keine Fragen über den Gesundheitszustand bzw. eine chronische Krankheit stellen. Da Fragen zu chronischen Krankheiten unzulässig sind, darf der_die Bewerber_in lügen, falls der_die Arbeitgeber_in die Grenzen des Fragerechts überschreitet. Der_die Bewerber_in ist auch vor einer Kündigung aufgrund der falschen Beantwortung geschützt. Ausnahmsweise können Fragen zu bestehenden Krankheiten zulässig sein, wenn das Risiko besteht, dass die chronische Krankheit die Kolleg_innen oder die Kund_innen gefährden kann oder wenn die Tätigkeit wegen der chronischen Krankheit nicht ausgeübt werden darf.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011