Religiöse Diskriminierung

Ab Minute 11:35 können Sie hier einen Beitrag der Tagesschau zu dem Fall der Rechtsreferendarin sehen.

Staatliches Handeln ist an den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes gebunden, was eine Ungleichbehandlung beispielsweise aufgrund der Religion ausschließt. Hiervon dürfen staatliche Institutionen nur abweichen, wenn eine gesetzliche Ausnahmeregelung vorgesehen ist. 

Ein Beispiel für eine solche Ausnahmeregelung ist das Neutralitätsgebot der Richter_innen. Diese müssen in der Ausübung ihres Amtes auch eine religiöse Neutralität wahren. Im Gegensatz hierzu üben Rechtsreferendar_innen keine richterliche Tätigkeit aus und fallen somit nicht unter das richterliche Neutralitätsgebot.

Aktuelle Klagen

Auflage für Rechtsreferendarin bei Gericht

Die Klägerin absolvierte im Rahmen ihres juristischen Referendariates ihre Pflichtstation bei einem bayrischen Amtsgericht. Ihr wurde die Auflage erteilt, „bei Ausübung hoheitlicher Tätigkeit mit Außenwirkung“ das Tragen ihres muslimischen Kopftuchs zu unterlassen. Als die Klägerin sich aus Glaubensgründen weigerte, das Kopftuch abzulegen, durfte sie während dieser Ausbildungsphase nicht wie für Referendar_innen in der Regel üblich am Richter_innentisch Platz nehmen, um dort unter der Aufsicht der Ausbildungsrichterin die gerichtliche Sitzung zu leiten. Nachdem sie sich zunächst erfolglos im Beschwerdeweg gegen die Auflage gewandt hatte, erhob sie vor dem Verwaltungsgericht Augsburg Klage (Az. Au 2 K 15.457).

Am 30.06.2016 urteilte das Verwaltungsgericht Augsburg, dass die an die Referendarin gerichtete Auflage, mit der ihr „bei Ausübung hoheitlicher Tätigkeit mit Außenwirkung“ das Tragen eines Kopftuchs verboten wurde, rechtswidrig ist, da diese einer Rechtsgrundlage entbehre. Das BUG hatte die Klage mit einer Beistandschaft begleitet. Das vollständige schriftliche Urteil ist hier zugänglich.

Hier finden Sie die Pressemeldung des BUG und des Anwalts.

Sie können außerdem unseren Pressespiegel zur ersten Instanz lesen.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache hat es die Berufung zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof München zugelassen.

© Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. 2011